Zen-Texte (Warum eigene Texte?)

Gibt es denn nicht schon genug? Oder sind sie nicht klar genug?
Ein Beispiel: Ich kaufe mir ein Erdbeereis. Genußvoll schlecke ich es, die Sonne brennt vom Himmel, es ist warm, ich habe Urlaub. Bestens! Was ändert es an diesem Erlebnis, daß in dem Erdbeereis gar keine Erdbeeren vorhanden waren? Die rote Farbe: Rote Beete Saft, der Geschmack: Chemische Erdbeerester aus Sägespänen (heute üblich!)

Wen das überhaupt nicht tangiert, der sucht sicherlich auch nicht nach Zen, wenn er „Zen“ macht. Wie in dem netten Werk von Frau H.: „Als Zen noch nicht Zen war“, gesagt wird: Es gibt mittlerweile eine reichhaltige Speisekarte des Zen, man kann sich aussuchen, was einem schmeckt: Buddhistisches Zen, christliches Zen, chinesisches Zen, Cola-Rum Zen, Mac doof Zen, und so weiter. Da wir in einer modernen Genußgesellschaft leben, steht der Geschmack im Vordergrund und nicht die Echtheit. Leider hat das fatale Nebenwirkungen, denn das Plagiat hat nicht denselben Effekt wie das Original. Christliches, esoterisches, Mutter-Maria-Zen (ist mir auch schon begegnet) ist eben Erdbeereis ohne Erdbeeren. In einer Mitteilung meiner Krankenkasse las ich, daß chemisch hergestellte Vitamine nicht dieselbe Wirkung hätten wie natürliche, obwohl sie identisch sind. Als ein Grund wird genannt, daß der natürliche Zusammenhang in den Lebensmitteln zu der erwünschten Wirkung führt, nicht die isolierte Anwendung. Es ist also nicht von Gewinn, wenn ich die isolierte Technik des Zazen (was schon ein Mißverständnis ist, im Zen werden keine Techniken angewandt) in den Zusammenhang von christlicher Religion, esoterischer Weltanschauung oder wirtschaftlicher Führungstechnik für Manager bringe. Heraus kommt immer wieder „Erdbeereis“.

Da mein Versuch, die Texte im Internet auch auf Zen-Plattformen einzustellen, an der Zensur und der Empörung der „Erdbeereisverkäufer“ gescheitert ist, kommen sie nun auf meiner eigenen Seite mehr in den Vordergrund. Es ist interessant, wie andere „Zen“-Menschen auf meine Texte reagieren – mal werde ich der „Achse des Bösen“ zugerechnet (christliches Zen), mal werde ich als Zen-Nazi bezeichnet (buddhistisches Zen), jedenfalls sind die Reaktionen – positive wie negative – oft heftig und spannend.
Ich will keine neue Zen-Richtung einführen noch mich als den Hüter des wahren Zen darstellen, aber mir ist Zen zu kostbar, als daß ich es unwidersprochen so verhunzt, verwässert, modernisiert und meist auch finanziell nutzbar gemacht hinnehmen mag. 

Und hier sind meine eigenen Empfehlungen zum Lesen von Zen-Literatur:

Ich rate dringend dazu, die zahlreiche Zen-Literatur, z.B. zu den 10 Ochsenbildern, die von Jesuiten und anderen Christen veröffentlicht wurde, mit geistigen Gummihandschuhen anzufassen, da schon die verwendeten Begriffe  (z.B. "Gläubige", "Barmherzigkeit" etc.) völlig den Blick verstellen. Aus religiösem Blickwinkel, gleich ob buddhistisch oder christlich, wird Zen immer verzerrt dargestellt. Ich habe da so nette Titel in meinem Besitz wie "Jesus der Buddha", "Barmherzigkeit aus der Stille", "Zen und die Bibel". Alle Werke von Lasalle, Jäger und ihren Nachfolgern verdrehen Zen in der Darstellung. Zum gleichen Gift gehört alles, was der Bestsellerautor Thich Nhat Hanh verbrochen hat, oder der beliebte Janwillem Van de Wetering (seine Krimis sind dagegen empfehlenswert). Wenn ihr aus Nicht-Zen-Sicht etwas lesen wollt, dann ergötzt euch mit "Pu der Bär" sowie dem "Tao Te Pu". Auch Jiddu Krishnamurti oder Shri Ramana Maharshi sind interessant, ohne in die Irre zu führen. Zen hat die Weisheit nicht gepachtet, es gibt auch anderswo den gleichen guten Stoff. Und immer daran denken: Der grinsende Dalai Lama gehört auch in eine andere Schachtel, nicht einmal in die buddhistische, obwohl er das behauptet, mehr in den Bereich Aberglaube mit Wellness-Effekt. Unzennig ist auch der ganze amerikanische eso- und sozio-Zen Kram. 

Bodhidharma (470 – 543): „Dialog über das Auslöschen der Anschauung“
Seng-Ts'an (vor 606): „Die Meisselschrift vom Glauben an den Geist“
Hui-Neng (638 – 713): „Das Sutra des Sechsten Patriarchen“ 
Jôshu Jûshin (788 - 897): „Der Kreis des Samsara“ oder vollständige Ausgabe: „The recorded sayings of Zen Master Joshu“
Huang-Po (vor 850): „Der Geist des Zen“
Linji Yixuan [Rinzai] (vor 866): „Das Denken ist ein wilder Affe“ sowie herausgegeben von Shulazi: „Morgengespräche im Kloster des Abtes Linji“
Yunmen Wenyan [Ummon] (864 – 949): „Zen-Worte vom Wolkentor-Berg“
Bankei Eitaku (1622 – 1693): „Die Zen-Lehre vom Ungeborenen“
Die Koans aus dem Bi-Yän-Lu in der Ausgabe von Achim Seidl: „Das Weisheitsbuch des Zen“

An modernen Texten:
Abt Muho (geb. 1968): „Zazen oder der Weg zum Glück“
Brad Warner (geb. 1964): „Hardcore Zen“ und "Sex, Sünde und Zen"
japanischer Comic mit vielen historischen Informationen über Zen und Gesellschaft:
Hisashi Sakaguchi (geb. 1946):  „Ikkyu“ (4 Bände)

Lob und Kritik, Anregungen und Ablehnungen meiner Texte oder anderer Bestandteile dieses Auftritts in der virtuellen Welt sowie unflätige Bemerkungen und Beschimpfungen bitte im Gästebuch hinterlassen. Deine Emailadresse und/oder der Verfasser werden von mir vor der Publikation auf Wunsch unkenntlich gemacht.

Meine einführenden Texte :

Der Zen Weg
Was ist Zen?
Die drei Pfeiler des Zen
Selfhammered world picture
Die 10 Ochsenbilder
Die drei Zufluchten
Die vier großen Gelübde
Die vier edlen Wahrheiten
Der edle achtfache Pfad
Bodhidharma
Daruma
Linji
Zen ist Erfahrung
Koan Zen

Auseinandersetzungen mit Pseudo-Zen:

Zen ist alles
Es ist nicht alles Gold
Mu oder der Tanz ums Goldene Kalb
Im buddhistischen Rotlichtmilieu
Backe backe Kuchen
Jägerlatein
Big Mind Zen
Zen als Erektionshilfe
Achtsamkeitsübungen
Begegnung mit einem Meister
Inka shomei
Inka Übertragung